Dienstag, 15. September 2026

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Bewegungspausen im Büro: sieben Fragen, eine klare Zahl

Fünf Minuten Erholung auf jede Stunde am Bildschirm, so steht es in der Regel ASR A6. Was die Zahl bedeutet, was das Arbeitszeitgesetz verlangt und was Mini-Pausen bringen.

Von RMG Redaktion··Aktualisiert ·5 Min. Lesezeit


Mann steht an einem Schreibtisch vor einem aufgeklappten Laptop und arbeitet im Stehen.
Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen zählt mehr als die Frage, welche Position die richtige ist.Foto: Unsplash

Es gibt eine offizielle Zahl, und sie fällt kleiner aus, als viele denken. In der Technischen Regel ASR A6 stehen rund fünf Minuten Erholung für jede Stunde, die du am Stück am Bildschirm verbringst. Dieselbe Regel stellt klar: Viele kurze Unterbrechungen erholen besser als wenige lange, selbst wenn am Ende dieselbe Zeit zusammenkommt. Alles Weitere klärt sich entlang der Fragen, die im Alltag wirklich auftauchen.

Woher kommt die Zahl fünf Minuten pro Stunde?

Aus Abschnitt 5.3 der ASR A6 Bildschirmarbeit, in Kraft seit dem 1. Juli 2024. Dort steht sie als Erfahrungswert aus der Praxis, nicht als scharfe Grenze.

Dahinter steht die Arbeitsstättenverordnung. Deren Anhang verpflichtet den Arbeitgeber dazu, dass Bildschirmtätigkeiten unterbrochen werden, entweder durch andere Aufgaben oder durch regelmäßige Erholungszeiten. Das ist keine Empfehlung, sondern eine Pflicht des Betriebs.

Sind das die Pausen aus dem Arbeitszeitgesetz?

Nein, das sind zwei getrennte Regelwerke, die nebeneinander gelten. § 4 Arbeitszeitgesetz schreibt bei einem Arbeitstag zwischen sechs und neun Stunden eine Ruhepause von 30 Minuten vor, darüber 45 Minuten. Du darfst sie stückeln, aber kein Stück kürzer als 15 Minuten. Nach spätestens sechs Stunden Arbeit muss eine Ruhepause liegen.

Die Erholungszeiten am Bildschirm kommen obendrauf. Sie zählen als Arbeitszeit, die Mittagspause nicht.

Kann ich die Unterbrechungen sammeln und früher Feierabend machen?

Vorgesehen ist das ausdrücklich nicht. Die ASR A6 untersagt es, diese Minuten anzusparen und damit den Arbeitstag am Ende abzukürzen.

Die DGUV Information 215-410 liefert die Begründung mit. Erholung lebt von der Verteilung über den Tag, nicht von der Summe am Ende. Deshalb spricht die DGUV von Mischarbeit: Bildschirmzeit wird mit Aufgaben durchsetzt, die andere Muskeln und andere Sinne fordern.

Was passiert im Nacken während dieser Stunde?

Die Muskeln, die Kopf und Schultergürtel tragen, arbeiten beim Sitzen am Bildschirm auf einem niedrigen, aber konstanten Niveau. Das Unangenehme daran ist nicht die Höhe der Last, sondern das Fehlen von Pausen darin. Dieselben kleinen motorischen Einheiten bleiben über Stunden aktiv und werden nie abgelöst.

Abschnitt 6.3.9 der ASR A6 zielt deshalb auf den Wechsel statt auf die perfekte Haltung. Starre Dauerhaltung gehört dort so weit heruntergefahren wie möglich, und der Vorschlag der Regel dafür lautet: über den Arbeitstag verteilt mehrfach vom Sitzen ins Stehen und zurück. Der Nacken mag Abwechslung lieber als Perfektion.

Bringen ein oder zwei Minuten überhaupt etwas?

Mehr als lange Blöcke, so überraschend das klingt. Der Cochrane-Review zu langem Sitzen am Arbeitsplatz mit 34 Studien und 3.397 Teilnehmenden hat genau diesen Vergleich untersucht. Wer sich halbstündlich für eine Minute oder zwei löste, saß am Tag 40 Minuten weniger als die Vergleichsgruppe mit zwei Viertelstundenpausen. Die Evidenzsicherheit dafür stufen die Verfassenden als niedrig ein.

Ein direkter Beleg für weniger Nackenschmerzen fehlt dabei meistens. Eine Ausnahme ist eine dreimonatige japanische Studie mit 74 Büroangestellten: Die Gruppe, die ihre Sitzzeit verringerte, berichtete signifikant weniger Nacken- und Schulterbeschwerden. Das ist eine Studie, keine Gewissheit, aber sie zeigt in dieselbe Richtung.

Wie viel sitzen wir denn überhaupt?

Genug, dass die Frage sich lohnt. Nach der Studie GEDA am Robert Koch-Institut verbringt gut jeder fünfte Mann in Deutschland mindestens acht Stunden täglich im Sitzen, genau 22,3 Prozent, bei den Frauen sind es 16,7 Prozent. Unter der Marke von vier Stunden bleibt nur rund ein Viertel beziehungsweise ein Drittel.

Der kritische Teil ist die Kombination: Rund ein Viertel sitzt mindestens vier Stunden täglich und bewegt sich in der Freizeit weder moderat noch anstrengend. Dort greifen Mini-Pausen im Büro allein nicht weit genug.

Was mache ich in den fünf Minuten?

Am besten etwas, das ohnehin ansteht. Feste Anker halten länger durch als ein Timer.

Anker im Tag Dauer Was du tust
jedes Telefonat Gesprächslänge im Stehen führen, dabei gehen
nach jedem Arbeitsblock 2 Minuten Wasser holen, Treppe statt Aufzug
zweimal am Vormittag 1 Minute Schultern kreisen, Blick aus dem Fenster
kurze Absprachen 5 bis 10 Minuten im Stehen oder im Gehen
Mittag 30 Minuten den Bildschirm verlassen

Drei solcher Anker reichen. Wer sich zehn vornimmt, hält keinen davon. Wenn du eine der Unterbrechungen fester füllen willst, passt die Fünf-Minuten-Routine für den Bildschirmtag hinein.

Und wenn der Nacken jetzt schon wehtut?

Dann bleiben die Unterbrechungen genauso richtig. Die S3-Leitlinie vergibt für körperliche Aktivität ihren höchsten Empfehlungsgrad und lehnt Ruhigstellung ab. Schonen verlängert die Sache eher.

Parallel lohnt der Blick auf den Platz selbst, denn Pausen gleichen einen Bildschirm, der zu tief oder zu weit seitlich steht, nur begrenzt aus. Die Reihenfolge beim Einstellen steht unter Monitorhöhe in sieben Schritten.

Wenn Kraft in der Hand nachlässt, ein Taubheitsstreifen in den Arm zieht, Fieber dazukommt oder du nach einem Sturz Beschwerden hast, ist die Pausenfrage nicht mehr die richtige. Was dann zählt, steht in der Übersicht der Warnzeichen am Nacken.

Quellen