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Mittwoch, 14. Oktober 2026

RMG Frage der WocheArbeitgeber & Gesundheit

Bildschirmbrille vom Arbeitgeber: wann er zahlt, was steuerfrei ist

Dein Arbeitgeber zahlt die Bildschirmbrille, wenn die Vorsorge eine spezielle Sehhilfe für nötig hält. So kommst du zu ihr, was er übernimmt, was steuerfrei bleibt.

Von RMG Redaktion··7 Min. Lesezeit

13 QuellenQuellenstandard

Frau mit Brille und blauem Pullover sitzt lächelnd an einem Schreibtisch zu Hause und arbeitet mit Tastatur und Maus an einem Bildschirm.
Ob die Alltagsbrille am Bildschirm reicht, merkst du daran, ob du die Schrift scharf siehst, ohne das Kinn zu heben.Foto: Unsplash

Das Wichtigste in Kürze

  • Dein Arbeitgeber muss die Bildschirmbrille bezahlen, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge ergibt, dass du am Bildschirm eine spezielle Sehhilfe brauchst und deine normale Brille dafür nicht geeignet ist.
  • Er trägt die Kosten der verordneten Brille, einen Höchstbetrag nennt die Verordnung nicht, eine Preisgrenze für die Fassung ist möglich, für die Gläser hält die DGUV sie nicht für zweckmäßig, und Extras wie Markengläser zahlst du selbst.
  • Übernimmt er die angemessenen Kosten, weil die Vorsorge die Brille nötig gemacht hat, sind sie laut Lohnsteuer-Richtlinien kein Arbeitslohn und damit auch kein Sachbezug.
  • Mit einer Alltags-Gleitsichtbrille hebst du am Bildschirm oft das Kinn, mit einer Bildschirmbrille siehst du besser, ob sie den Nacken entlastet, ist offen.
In diesem Beitrag7 Abschnitte
  1. 01Wann muss der Arbeitgeber eine Bildschirmbrille bezahlen?
  2. 02Wie bekomme ich eine Bildschirmbrille vom Arbeitgeber?
  3. 03Wie viel zahlt der Arbeitgeber für die Bildschirmbrille?
  4. 04Ist die Bildschirmbrille vom Arbeitgeber steuerfrei?
  5. 05Gleitsichtbrille und Nackenschmerzen: Was bringt die Bildschirmbrille?
  6. 06Häufige Fragen
  7. 07Quellen

„Muss mein Arbeitgeber mir eine Bildschirmbrille bezahlen?“ Ja, wenn die arbeitsmedizinische Vorsorge zeigt, dass deine normale Brille am Bildschirm nicht reicht und du eine spezielle Sehhilfe brauchst, so die Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge. Übernimmt er dann die angemessenen Kosten, zählen sie nicht als Arbeitslohn. Laut der Arbeitsmedizinischen Regel AMR 2.1 muss der Arbeitgeber dir die Vorsorge vor dem Start anbieten, ein zweites Mal binnen 12 Monaten und danach spätestens alle 36 Monate.

Wann muss der Arbeitgeber eine Bildschirmbrille bezahlen?

Der Arbeitgeber muss zahlen, wenn die Vorsorge zweierlei feststellt: Du brauchst am Bildschirm eine spezielle Sehhilfe, und deine normale Brille taugt dafür nicht.

Eine Bildschirmbrille ist eine Brille, deren Stärken auf Monitor, Tastatur und Unterlagen abgestimmt sind. Einen Bereich für die Ferne hat sie nicht, im Straßenverkehr ist sie deshalb ungeeignet (DGUV Information 250-008, April 2026).

Eine Fehlsichtigkeit allein, etwa Kurzsichtigkeit, reicht laut DGUV nicht als Voraussetzung, die gleicht die Alltagsbrille aus. Meist gibt die Alterssichtigkeit den Ausschlag: Erkennst du Text in Bildschirmentfernung auch mit der Alltagsbrille nicht mehr dauerhaft ohne Anstrengung, ist eine Bildschirmbrille auf Kosten des Arbeitgebers möglich. Umlegen darf er diese Kosten auf dich nicht, so § 3 Abs. 3 ArbSchG.

Zahlt dein Arbeitgeber?

Drei Fragen zu deinem Stand.

Warst du schon beim Betriebsarzt zur Vorsorge für die Bildschirmarbeit?

Hält er eine spezielle Sehhilfe für nötig?

Hast du schon selbst eine Bildschirmbrille gekauft?

Antwort

Dein Arbeitgeber trägt die Kosten

Mit diesem Befund zahlt der Arbeitgeber die Bestimmung der Glaswerte und die verordnete Brille. Extras wie Markengläser zahlst du selbst.

Antwort

Die neue Alltagsbrille bleibt deine Sache

Eine neue Alltagsbrille samt Untersuchung beim Augenarzt zahlst du selbst oder deine Krankenversicherung, so die DGUV. Bleiben die Beschwerden am Bildschirm, prüft der Betriebsarzt erneut.

Antwort

Ohne Verordnung gibt es kein Geld zurück

Eine Bildschirmbrille, die nicht der Verordnung aus der Vorsorge entspricht, muss der Arbeitgeber laut DGUV nicht erstatten. Ergibt die Vorsorge später einen Bedarf, bekommst du eine passende auf seine Kosten.

Antwort

Frag nach einem Vorsorgetermin

Erfährt der Arbeitgeber von Sehbeschwerden, muss er dir die Vorsorge unverzüglich anbieten. Hast du früher abgelehnt, muss er sie trotzdem weiter regelmäßig anbieten (§ 5 ArbMedVV).

Wie bekomme ich eine Bildschirmbrille vom Arbeitgeber?

Du bekommst sie über einen Termin beim Betriebsarzt: Er prüft deine Augen bei den Abständen deines Arbeitsplatzes und legt fest, ob du eine Bildschirmbrille brauchst und welche Glasart passt. Zur Untersuchung gehören laut AMR 14.1 ein Gespräch, ein Sehtest für Nähe und Ferne und eine Beratung.

Dein Weg zur Bildschirmbrille

  • Du bittest Betriebsarzt oder Personalabteilung um einen Vorsorgetermin für Bildschirmarbeit.
  • Du misst vorher, wie weit Monitor, Tastatur und Unterlagen von deinen Augen entfernt sind.
  • Hält der Betriebsarzt einen Augenarzt für nötig, muss der Arbeitgeber dir den Termin ermöglichen.
  • Du lässt dir das Ergebnis mit Glasart und Sehabständen geben.
  • Du fragst vor der Bestellung, ob der Betrieb eine Preisgrenze für die Fassung hat.
  • Rät der Optiker zu einer anderen Brillenart, klärst du das vorher mit dem Betriebsarzt.

Die Höchstfristen für das Vorsorgeangebot setzt AMR 2.1:

12Monate

nach deinem Start am Bildschirm muss das zweite Angebot spätestens kommen, das erste schon davor (AMR 2.1).

36Monate

dürfen danach höchstens zwischen zwei Angeboten liegen, kürzere Abstände sind erlaubt.

Wie viel zahlt der Arbeitgeber für die Bildschirmbrille?

Der Arbeitgeber trägt die Kosten der verordneten Brille „im erforderlichen Umfang“, einen Höchstbetrag nennt die Verordnung nicht. Für die Fassung darf der Betrieb eine Preisgrenze setzen, für die Gläser hält die DGUV das nicht für zweckmäßig: Kosten darüber trägt er trotzdem, etwa bei einer Hornhautverkrümmung.

Posten Wer zahlt
Augenarzt, wenn die spezielle Sehhilfe nötig ist Arbeitgeber
Gläser laut Verordnung, entspiegelt und gehärtet Arbeitgeber
Fassung mit festem Sitz Arbeitgeber, Preisgrenze möglich
Markengläser, besondere Härtung, teurere Fassung du, auf eigenen Wunsch
Neue Alltagsbrille du oder deine Krankenversicherung

Quelle der Tabelle: DGUV Information 250-008.

Ist die Bildschirmbrille vom Arbeitgeber steuerfrei?

Ja, sie ist gar kein Arbeitslohn, wenn der Arbeitgeber die angemessenen Kosten übernimmt, weil die Vorsorge die Brille nötig gemacht hat. Nach unserer Lesart ist sie damit auch kein Sachbezug, und die 50-Euro-Grenze spielt keine Rolle.

So regeln es die Lohnsteuer-Richtlinien in R 19.3 Abs. 2 Nr. 2, wenn alles zusammenkommt:

  • Der Arbeitgeber zahlt, weil Arbeitsschutzgesetz und ArbMedVV ihn verpflichten.
  • Eine fachkundige Person im Sinne der ArbMedVV hat deine Augen untersucht.
  • Danach brauchst du die Sehhilfe, um in den Entfernungen deines Bildschirmarbeitsplatzes ausreichend zu sehen.
  • Die Kosten sind angemessen.

Fehlt etwas, etwa weil die Firma eine Bildschirmbrille ohne Vorsorge bezuschusst, greift die Ausnahme nicht, und auch die 600 Euro für Gesundheitsförderung helfen nicht (BMF-Schreiben vom 20. April 2021, Rz. 34). Dann gelten die Regeln für Sachbezug und Erstattung, die Nackenkissen vom Arbeitgeber erklärt.

Gleitsichtbrille und Nackenschmerzen: Was bringt die Bildschirmbrille?

Mit einer Alltags-Gleitsichtbrille liegt die scharfe Zone für den Bildschirm laut DGUV schmal und tief im Glas, also hebst du das Kinn. Eine Bildschirmbrille gibt den Abständen am Schreibtisch mehr Glasfläche, du siehst mit aufrechtem Kopf scharf. Ob das den Nacken entlastet, ist offen.

Was Studien zu Gleitsicht und Bildschirmbrille zeigen

So bewerten wir
  • Beleglage: Plausibel
    Alltags-Gleitsicht kippt den Kopf nach hinten: In einer Dortmunder Bürostudie mit 175 Beschäftigten neigten die 85 Gleitsichtträger den Kopf am Monitor um etwa 7 Grad stärker zurück als Träger von Einstärkengläsern (Jaschinski u. a. 2015).
  • Beleglage: Plausibel
    Am Monitor siehst du mit Bildschirm-Gleitsichtgläsern besser: Von 190 alterssichtigen Beschäftigten, die beide Glasarten verblindet je zwei Wochen trugen, zogen 84 Prozent die Bildschirmgläser für den Monitor vor (Kolbe und Degle 2018).
  • Beleglage: Unklar
    Für den Nacken ist kein Vorteil belegt: In einer randomisierten Studie mit 35 Bildschirmbeschäftigten mit Nackenbeschwerden ließen die Schmerzen nach 3 und 6 Monaten mit neuen Gläsern beider Arten nach, kaum unterschiedlich.

Bis die Brille da ist, senk den Monitor, bis seine Unterkante fast auf der Tischplatte steht, wie es Monitorhöhe einstellen beschreibt. Was am Bildschirm sonst den Nacken schont, steht in Nackenschmerzen bei Bildschirmarbeit.

Häufige Fragen

Wie oft zahlt der Arbeitgeber eine neue Bildschirmbrille?

Das hängt laut DGUV davon ab, wie stark sich deine Augen messbar verändern, festgestellt in der Vorsorge. Einen festen Turnus wie alle zwei Jahre nennt weder die Verordnung noch die DGUV. Die Vorsorge muss dir spätestens alle 36 Monate angeboten werden, bei neuen Sehbeschwerden auch früher.

Braucht die Bildschirmbrille einen Blaufilter?

Nein. Bei ergonomisch eingerichtetem Arbeitsplatz und üblicher Bildschirmhelligkeit hält die DGUV einen Blaulichtfilter zum Schutz der Augen nicht für erforderlich, getönte Gläser auch nicht, weil sie den Kontrast der Schrift mindern. Willst du trotzdem einen Filter, kläre vorher, wer ihn zahlt.

Gilt der Anspruch auch im öffentlichen Dienst?

Für Angestellte gilt er wie überall. Auch Beamtinnen und Beamte zählen nach dem Arbeitsschutzgesetz zu den Beschäftigten (§ 2 ArbSchG). Bei Beamten von Ländern und Gemeinden entscheidet aber das Landesrecht, ob und wieweit die Arbeitsschutzverordnungen des Bundes gelten (§ 20 ArbSchG).

Quellen

  1. Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge, Anhang Teil 4Gesetzgesetze-im-internet.de
  2. § 5 ArbMedVV, AngebotsvorsorgeGesetzgesetze-im-internet.de
  3. § 2 ArbeitsschutzgesetzGesetzgesetze-im-internet.de
  4. § 3 ArbeitsschutzgesetzGesetzgesetze-im-internet.de
  5. § 20 ArbeitsschutzgesetzGesetzgesetze-im-internet.de
  6. AMR 14.1: Untersuchung der Augen und des SehvermögensFachinformationvorschriften.bgn-branchenwissen.de
  7. AMR 2.1: Fristen der arbeitsmedizinischen VorsorgeFachinformationvorschriften.bgn-branchenwissen.de
  8. DGUV Information 250-008: Sehhilfen an Bildschirmgeräten, April 2026Fachinformationpublikationen.dguv.de
  9. Amtliches Lohnsteuer-Handbuch 2026, R 19.3 LStRGesetzlsth.bundesfinanzministerium.de
  10. BMF: Umsetzungshilfe zu § 3 Nr. 34 EStG, 2021Gesetzbundesgesundheitsministerium.de
  11. Jaschinski u. a. 2015, Clinical and Experimental OptometryStudiepubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  12. Kolbe und Degle 2018, Optometry and Vision ScienceStudiepubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  13. Cagnie u. a. 2017, Environmental Health and Preventive MedicineStudiepubmed.ncbi.nlm.nih.gov

Dieser Text erklärt, er kann dich aber nicht untersuchen. Wenn die Beschwerden stark sind, lange bleiben oder sich ungewohnt anfühlen, geh damit in eine Praxis.

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